Entwicklung politischer Empfehlungen

Bisherige Ergebnisse aus den Interviews:

In den Interviews wurden explizit hochschulpolitische und politische Empfehlungen thematisiert. Nachfolgend werden einige Antworten aufgelistet. (Diese sind dabei absteigend nach der Anzahl der Nennungen in den Interviews sortiert.)

  • Dialog auf Ebene der Hochschule: Bei einer großen Anzahl der durchgeführten Interviews wurde die hochschulinterne Kommunikation anhand der Begrifflichkeiten „Top down“, „Middle out“ und „Bottom up“ thematisiert. Auch wenn nicht alle Expert*innen dieselben Begriffe verwendeten, so wurde doch sehr deutlich, dass innerhalb der Hochschule eine offene Kommunikationsstrategie bevorzugt wird, welche mit Hilfe der Digitalisierung gefördert werden könne. Eine klare und nach Außen stark wirkende stringente Kommunikation wird von der Leitungsebene einer Hochschule gefordert. Innerhalb einer Hochschule ist ein Austausch der Leitungsebene mit den Mitarbeitenden gewünscht, die in einem sich ständig wiederholenden Dialogprozess stehen sollten. Diese Prozesse sind auf Grund der Nachvollziehbarkeit transparent zu gestalten, um auch Quereinsteigern eine Teilnahme am Dialog zu ermöglichen. Getroffene Entscheidungen sind in Form einer Digitalisierungsstrategie in den einzelnen Prozessen nach Innen sichtbar zu kommunizieren, damit sich einzelne und betroffene Personen langfristig auf den Wechsel vorbereiten können.

 

  • Dialog auf Ebene der Politik: Auch in diesem Dialog ist eine gewisse Offenheit von zentraler Bedeutung. Müssen neue Entwicklungen definiert werden, ist es für den Kreativitäts- und Lösungsprozess hilfreich, wenn von politischer Ebene lediglich Rahmenvereinbarungen erfolgen, die beispielsweise auch „nur“ eine Vision beinhalten können. Flexibilität innerhalb von klar definierten Strukturen und Rollen ermöglicht es, Ziele nicht von Beginn an vorgeben und zu determinieren, sondern Räume zum Experimentieren zuzulassen. Auf diese Weise kann die Entstehung von Innovationen positiv unterstützt werden. Das genaue Ziel und der Weg zu diesem müssen dabei nicht Teil der Vereinbarung sein. Hierzu bedarf es einer politischen Bereitschaft, neue Wege zu gehen und Freiheiten zuzulassen. Werden hingegen Qualitätsstandards entwickelt, kann der Dialograhmen durchaus verbindlicher sein. Auf der anderen Seite sind dann wiederum Hochschulen in der Pflicht, den Kommunikations- und Entscheidungsprozess transparent, zuverlässig und verantwortungsvoll zu gestalten.

 

  • Unterstützung in Aufbau/Ausbau und Aufrechterhaltung von Infrastruktur und Netzwerken: Um Studierende und Mitarbeitende im selbständigen und eigenverantwortlichen Tun sowie in der Kompetenzentwicklung zur Lösung komplexer Probleme zu unterstützen, werden von den Expert*innen Arbeits- und Lernprozesse in heterogenen Teams vorgeschlagen. Berücksichtigt werden können zudem hochschulübergreifende Teams, wie auch Kooperationen mit der Wirtschaft. Die Politik ist dahingehend gefordert, Kooperationen und Netzwerke zu unterstützen und die entsprechende Infrastruktur zu fördern.

 

  • Unterstützungsangebote in der Lehre: In der Mehrzahl der geführten Interviews wurde gefordert, dass Lehrende durch eine Dienstleistungseinrichtung bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen unterstützt werden. Des Weiteren sind Serviceeinrichtungen für didaktische Beratung und für die medientechnische Umsetzung verstärkt notwendig. Wird darüber hinaus eine stetige Weiterbildung in der Hochschulstruktur verankert, könnten Blockaden von Vornherein minimiert werden.

 

  • Einfluss von Verwaltung in der Hochschule: Als Haupttätigkeitsfeld der Hochschule wird Lehre und Forschung artikuliert. Verwaltungseinflüsse durchdringen an einigen Hochschulen immer mehr diese ursprünglichen Tätigkeiten, zum Nachteil von Forschung und Lehre. Hier bedarf es struktureller Orientierungen und einer positiven Kultur des Zulassens und Unterstützens. Aktuell wird eher eine Angst- und Verhinderungskultur in Hochschulen beobachtet.

 

  • finanzielle Unterstützung: Unter dem Aspekt der finanziellen Unterstützung werden verschiedene Sichtweisen in den Interviews eingenommen. Einig sind sich die Expert*innen darüber, dass Deutschland aktuell in einer guten finanziellen Position steht, indem bereits zahlreiche Projekte mit Bezug auf Digitalisierung gefördert wurden und vielfältige weitere Fördermöglichkeiten angeboten werden. Für den Umstrukturierungsprozess der Hochschulen, der aufgrund der Digitalisierung von Nöten ist, werden kurzfristig hohe finanzielle Ressourcen benötigt, bevor diese langfristige Ersparnisse mit sich bringen. Politik sollte bei Projektförderungen viel mehr darauf Einfluss nehmen, dass Mittel, die für Projekte mit Digitalisierungsschwerpunkten bereit gestellt werden, nicht in Projekte mit denen keine strukturellen Veränderungen einhergehen eingesetzt werden.

Diskussionsanstöße:

  • Welche Ansätze werden vom aktuellen Koalitionsvertrag bereits aufgegriffen?
  • Wie viel Verantwortung zur Umsetzung liegt in der Politik und wie viel in der Hochschule selbst?
  • Wie kann der Austausch zwischen Politik und Hochschule in Zeiten der Digitalisierung einfacher gestaltet werden?
  • Ihr Diskussionsansatz …